In den sozialen Medien sieht man sie überall: Fotos von glücklichen Läufern, die gemeinsam oder allein die Straßen unsicher machen. Total happy und mit Friede-Freude-Eierkuchen-Gesicht. Da hat es sicherlich schon viele von uns gepackt: also Laufschuhe an und raus auf den Asphalt. Nach 600m kommt dann recht schnell die Ernüchterung. Die Beine wollen nicht, man fühlt sich tonnenschwer und die Atmung klingt ähnlich wie die eines wütenden Rhinozeros. Kleinlaut versucht man dann den kürzesten Weg nach Hause einzuschlagen. Angekommen wandern die Laufschuhe direkt ein eine dunkle Ecke mit dem Vermerkt: „Sollen es doch die anderen machen“.
Ja, Laufen ist scheiße.

Am Anfang.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich angefangen habe. Mensch, das konnte doch nicht so schwer sein. Warum finden andere Spaß daran, weshalb können sie Laufen und dabei den Stress los lassen? Für mich war Joggen immer der größte Stress. Bis ich im Februar 2015 wieder damit anfing.

Alle guten Dinge sind bekanntlich 672.464.756.

Der erneute Ansporn kam dadurch, dass ich dauerhaft krank war. Hier eine Erkältung, da eine Grippe, ein Tag ohne Kopfschmerzen war eine Ausnahme. Gleichzeitig hätte ich mich oft selbst an die Wand klatschen können. Ich fand mich unausstehlich. Was mussten dann die Anderen über mich denken? Die dauerhafte Unzufriedenheit hat mich wirklich enorm gestört. Ich war einfach unglücklich. Immer. Es war mir bewusst, welchen Mist ich zu mir nehme und dass ich kaum mehr Sport mache. Also habe ich begonnen mich mit gesunder Ernährung auseinander zu setzen. Doch ich bin ein Mensch, der ein festes Ziel vor Augen braucht: Ein Datum zu dem man hinarbeiten kann. Und schnell kam ich zu dem Entschluss: im Juni laufe ich den 10km Nike Women Run in Berlin! Bevor der Schweinehund sich einmischen konnte habe ich die Anmeldung bestätigt, mir die Nike+ Running App heruntergeladen und den ersten Coach für die Anfänger-5km aktiviert. So wurde ich zum Läufer.

1. Anfangen

Hand aufs Herz: welche Dinge machen direkt beim ersten Mal Spaß? Spontan fällt mir nichts ein. Eine Hingabe muss sich entwickeln, man muss daran wachsen und Erfahrungen sammeln. Erst der Fortschritt spornt einen an. Also rein in die Laufschuhe, die Lieblingssongs ins Ohr und raus auf die Straße. Egal wie lange man braucht, egal wie weit man läuft. Stehen bleiben ist jedoch, außer man hat Seitenstechen, ein Tabu! Auch wenn es nur ein mal um den Block ist: die Hauptsache ist, dass man den ersten Schritt gemacht hat. Und das am Besten noch mit positiven Gedanken. Für den Anfang sind kleine Fahrtspiele ein guter Einstieg. Denn selten kann man als Neustarter die ersten Kilometer kontinuierlich durchlaufen. Man soll sich ausprobieren, Spaß haben und sich selbst nicht zu ernst nehmen.

2. Weitermachen!

Nach dem ersten Lauf darf man ruhig stolz sein! Belohnung und Motivation wirkt immer. Aber bitte nicht in Form einer Pizza. Wie wäre es mit einer neuen Laufhose oder einem Sportshirt? Vielleicht ein Neoprengürtel für’s Smartphone? Oder eine Pulsuhr, bzw. ein Fitnesstracker? Es ist alles erlaubt, was einen dazu motiviert am Ball zu bleiben. Denn wenn man sich etwas für’s Laufen zugelegt hat, ist die Hürde aufzugeben höher. Da spielt das Gewissen eine große Rolle.

Mit neuer Motivation geht es dann wieder raus, gerne auch die selbe Strecke. Mir hat es außerdem geholfen kleine Mini-Ziele zu stecken: „Jetzt halte ich bis zur nächsten Straßenlaterne in dieser Geschwindigkeit durch, danach walke ich ein kleines Stück“. Mit der Zeit merkt man dann recht schnell, dass man nach Erreichen des Mini-Ziels noch gut bei Atem ist. Also kann man das Ziel weiter stecken. Was ich feststellen musste: der Geist ist schwach, der Körper nicht! Damit möchte ich sagen, dass es wichtig ist auf den Körper zu hören. Was macht die Atmung? Wie geht es meinen Füßen und Gelenken? Habe ich Schmerzen oder Ermüdungserscheinungen? Denn nur weil der Kopf zu einem sagt, dass man doch jetzt ruhig wieder ein Stück langsam gehen kann, heißt das nicht, dass man es muss.

3. Gewohnheiten schaffen

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Bisher war man es gewohnt nicht zu laufen. Man hat es selbst in der Hand! Feste Tage und Zeiten an denen du Laufen gehst, können dir helfen den Schweinehund zu überwinden. Wenn man sich auf etwas einstellen kann, ist man eher bereit den Stier bei den Hörnern zu packen. Und Ausreden zählen nicht! Für eine kurze Runde ist immer Zeit und schlechtes Wetter gibt es nicht. Mein Freund hat mir anfangs oft mit einem lächeln gesagt: „Schatz! Zieh endlich deine Laufschuhe an und geh’ eine Runde laufen. Du bist unausstehlich.“ – Und so war es auch. Das lag daran, dass ich mir keine festen Zeiten vorgenommen habe und ständig diesen Stress im Hinterkopf hatte, dass ich doch noch Laufen gehen muss.
Leg deine Sportsachen auch nicht zu weit weg. Wenn du zum Beispiel gerne früh morgens Laufen gehen möchtest, dann bereite abends alles vor: Stell deine Laufschuhe direkt ans Bett, prüfe die Wettervorhersage und stelle dir ein awesome Outfit zusammen. So musst du einfach nur hineinschlüpfen und bist Kampfbereit! CHAKKA!

Fortschritte siehst du sehr schnell: deine Kilometer werden schneller, das Laufen fühlt sich leichter an, der Schweinehund wird kleinlaut und die Laune nach dem Lauf steigt deutlich. Du kannst unglaublich Stolz sein!

Mache es doch auch zur Gewohnheit die Laufschuhe zu schnüren, wenn du gestresst bist oder in einer kreativen Tiefphase festsitzt. Du wirst sehen, dass frische Luft und körperliche Betätigung besser hilft, als der drölfste Schokoriegel. Laufen ist ein unheimlich gutes Ventil.

Auch wenn man sich antriebslos fühlt, kann Laufen eine Wunderwaffe sein. Das Gefühl, dass man etwas geschafft und beendet hat beflügelt und schafft oft neue Motivation für den restlichen Tag. Das ist auch der Grund, warum ich es liebe morgens Sport zu machen: man ist fit und hat den Kopf frei.

Das End' vom Lied

Wirklich jeder kann zum Läufer werden, solange man den Fokus auf Spaß und positives Denken legt. So ist das am Ball bleiben auch gar nicht so schwer. Der Körper und vor allem der Geist verändern sich mit der Zeit und die anfängliche Hassliebe wird zur großen Liebe!