Meine Erfahrung mit dem fitbit charge HR. 27/4 seit einem Jahr.

Kurz nachdem ich 2015 mit dem Laufen begonnen habe stand eines für mich fest: ich möchte mehr Kontrolle! Also über mich selbst. Ich wollte wissen, wie sich meine Durchschnittsgeschwindigkeit verändert, ab wann meine Herzfrequenz durch die Decke schießt und abnehmen würde ich auch gerne. 2015 war definitiv das Jahr in dem ich den Fitnesstrend deutlich zu spüren bekam, auch als Informatiker fand man keinen Weg an diesen Fitnesstrackern vorbei. Lange war ich mir nicht sicher, ob ich mir eine Pulsuhr oder ein Fitnessgadget zulegen sollte.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich für einen Fitnesstracker entschieden. Und ich möchte behaupten: gerade als Schwabe habe ich doppelt so lange überlegt als es vielleicht ein normaler Mensch tun würde. Ich war einfach neugierig wie sich ein Wearable im Alltag macht und welche Schlüsse ich aus den Daten ziehen kann.
So weit so gut. Nur welcher soll es werden? Schon damals wurde der Markt von unterschiedlichen Hersteller und Ausführungen überschwemmt. Und alles steckte noch in den Kinderschuhen. Nach Stunden, ja sogar Tagen, vor der Suchmaschine habe ich mich für den fitbit charge HR entschieden. Nachdem ich die Bestellung abgeschlossen hatte war der Zweifel jedoch recht groß: 150 Öcken für so ein olles Teil? Wollte ich das wirklich? Da muss es doch auch was anderes geben… „Mutig“, wie ich bin, habe ich die Investition ganz weit vor meinem Gewissen versteckt und es als Motivation abgehakt.

Das Armband

Als ich den fitbit in der Hand hielt war ich positiv überrascht: Das Material des Armbands, strapazierfähigen Elastomermaterial, fühlt sich hochwertig an und lässt sich schnell reinigen. Das eingelassene OLED-Display ist hell und auch unter direkter Sonneneinstrahlung gut lesbar. Der Verschluss ist aus hochwertigem Edelstahl und hält bei jeder Sportart bombenfest. Wenn man sich erst mal an das dauerhafte Tragen des Armbands gewöhnt hat, spürt man davon gar nichts mehr. Auch nach einem Jahr täglichem Gebrauch sieht es noch fast aus wie neu.

Mitgeliefert wird außerdem ein USB-Ladekabel und ein USB-Dongle, zur drahtlosen Datenübertragung zum PC. Diese funktioniert allerdings nur wenn das Smartphone, mit dem das Wearable verbunden ist, nicht in der Nähe ist. Das macht aber durchaus Sinn.

Verbindung mit dem Smartphone/ Apps

Die Bluetooth-Verbindung zum iPhone konnte sehr schnell und einfach eingerichtet werden. Je nach Bedarf kann man einen „All-Day-Sync“ aktivieren. Die Daten werden also in regelmäßigen Abständen synchronisiert, auch wenn die App nicht im Vordergrund läuft. Das hat natürlich Einfluss auf die Akkus von Smartphone und Armband. Dies ist aber durchaus zu verkraften, wenn man die fitbit-App mit einer anderen App, wie zum Beispiel Apples Health oder MyFitnessPal, gekoppelt hat. Denn nichts ist störender, als Daten in einer anderen App einsehen zu wollen und vorher die fitbit-Synchronisation abzuwarten. Wird diese von Hand initiiert kann das nämlich ein bisschen dauern.

Meine fitbit-App ist mit MyFitnessPal gekoppelt, da ich hier schon vorher ein Ernährungstagebuch geführt habe. Zwar bietet die App von fitbit das ebenfalls an, aber zu dem Zeitpunkt, als ich den Tracker in Händen hielt, war die Nahrungsmitteldatenbank für Deutschland noch nicht sehr ergiebig. Das hat sich offensichtlich geändert. Aber ich bin faul. Sehr faul. Und was der Bauer nicht kennt… Die Kommunikation der beiden Apps verläuft problemlos.

Funktionen am Armband

Am fitbit charge HR befindet sich an der linken Seite des Displays ein kleiner Knopf. Durch einmaliges Drücken wird das Display beleuchtet und die Uhrzeit angezeigt. Betätigt man den Knopf erneut, so kann man verschiedene Details anzeigen lassen: SchritteEtagenHerzfrequenzDistanz und verbrannte Kalorien. Ein Training kann gestartet werden indem man ca. 3 Sekunden auf den Knopf drückt. Genau so wird die Trainingseinheit auch wieder beendet. Außerdem gibt es eine „Double Tab“-Funktion: indem man zweimal etwas unterhalb des Displays auf den Fitnesstracker tippt, so wird das Display ebenfalls aktiviert und, je nach Einstellung, zum Beispiel die Herzfrequenz angezeigt.

Eine willkommene, optionale Funktion ist für mich die Anruferanzeige: bei einem Anruf vibriert das Armband einmal auf und zeigt die Anrufer-ID an. So kann man auch während dem Training entscheiden, ob es sich lohnt das Smartphone aus der Tasche zu kramen.

Funktionen in der App

Öffnet man die App, so erscheint zu Beginn eine übersichtliche Auflistung verschiedener Daten. Ganz oben wird der verbundene Tracker angezeigt (es können sogar mehrere Tracker mit einem Smartphone gekoppelt werden), darunter folgen Trainingseinheiten, Schritte, Herzfrequenz, aktive Minuten, verzehrte Kalorien, verfügbare Kalorien, Schlaf, verbrannte Kalorien, zurückgelegte Distanz, überwundene Etagen, verbleibende Kilogramm zum Zielgewicht, Wasserzufuhr und seit neustem eine Übersicht der Stunden in denen man mindestens 250 Schritte zurückgelegt hat. Alle Anzeigen, bis auf den verbundenen Tracker, sind optional, können ausgeblendet und neu sortiert werden.

Über die App können Nahrung, Gewicht, Schlaf, Wasseraufnahme protokolliert und Trainingseinheiten getrackt (Gehen und Laufen) oder manuell eingetragen werden. Startet man eine solche Aktivität über die App wird mittels Smartphone-GPS die Route aufgezeichnet. Man kann sogar ein Tages-Kalorienziel errechnen lassen, falls man Gewicht reduzieren möchte.

Auch Einstellungen für den Tracker selbst können in der App vorgenommen werden. Zum Beispiel gibt es verschiedene Clock-Faces zwischen denen man wählen kann. Auch für die Anzeige auf dem Tracker können Datensätze ausgeblendet oder ein Alarm eingestellt werden. Anfangs dachte ich, man könnte sich so ohne störende Geräusche wecken lassen. Aber der Schreck, als plötzlich mein Arm vibrierte und mich so unsanft aus dem Schlaf riss, war groß. Sehr viel größer als bei dem nervige Alarmton meines Weckers. Vermutlich kann man sich aber auch daran gewöhnen.

Es gibt noch sehr viel mehr Einstellmöglichkeiten, wie zum Beispiel die Festlegung des Tagesziels (Schritte, Distanz, Etagen oder verbrannte Kalorien), Anzeige bei Double-Tab oder Aktivierung der Schnellanzeige.

Über die App kann man sich außerdem mit Gleichgesinnten messen. Egal ob man hierfür Challenges wie „Zieltag“, „Wochenend-Sieger“, „Täglicher-Showdown“ oder sogar den „5-Tage-Test“ nutzt: Motivation erhält man dadurch allemal. Schön ist hier auch, dass man sich innerhalb der Challenges über einen Chat unterhalten kann und immer wieder Benachrichtigungen aufs Smartphone bekommt, wenn man überholt wurde oder jemand sein Schrittziel für den Tag erreicht hat. Auch ohne die Challenges kann man im Freunde-Tab ständig sehen, wie viele Schritte die eigenen Freunde in dieser Woche bereits gemeistert haben und sie entweder gegenseitig anfeuern, verspotten oder eine eigene Nachricht schreiben. Hier kann man auch von jedem die erreichten Badgets, also die Auszeichnungen, sehen.

Webinterface/ Community

Natürlich kann man seine Daten und Fortschritte nicht nur in der Smartphone-App verfolgen, sondern diese auch über ein Webinterface einsehen: auf dem sogenannten Dashboard. Die Darstellung kann auch hier auf die eigene Vorlieben zugeschnitten werden. Alles in Allem ist es sehr übersichtlich, bunt und einfach zu verstehen.

Zusätzlich gibt es hier eine Community die sich in Hilfeforen und Aktivitätsgruppen aufteilt. In den Hilfeforen findet man zu fast jedem Problem schon eine Lösung oder erhält nach dem Stellen einer neuen Frage prompt eine Antwort.
Bei den Aktivitätsgruppen kann man entweder einer bestehenden Gruppe beitreten, oder eine eigene ründen und Mitglieder per Mail hinzufügen. Im Endeffekt erhält man so ein kleines, privates (je nach Einstellung) Forum, in dem man sich austauschen kann. Auch hier gibt es eine Übersicht aller Schritte der Mitglieder für den aktuellen Monat und eine Zusammenfassung der Schritte, Kilometer aller.

Automatische Erkennung

SmartTrack: Aktivitäten werden anhand der Herzfrequenz auch automatisch erkannt. Handelt es sich hierbei nicht um einen typischen Spaziergang, wird die Aktivität zunächst als „Workout“ klassifiziert. Über die App kann nachträglich die getätigte Sportart angegeben werden. Allerdings kann man diese Eingabe nicht ändern, nachdem sie einmal eingetragen wurde.

Auch Schlaf wird automatisch erkannt und später eingesehen werden. Die effektive Zeit die man schlafend verbracht hat wird in Wach- und Unruhe-Minuten gemessen.

Akku

Mein Tracker, als einer der ersten Modelle, hält zwischen drei und vier Tagen, je nachdem wie viel ich trainiere. Das ist für mich vollkommen in Ordnung. Mittlerweile sollen die neuen Modelle bis zu 5 Tagen am Akku zehren können. Dazu kann ich aber leider nichts sagen. Verbindet man ihn während dem Duschen, da er sowieso nicht Wasserdicht ist, mit dem Strom, gehen einem keine akuten Daten verloren. Aufgeladen ist der Akku auch sehr schnell.

Support

Da ich den Tracker habe seit er auf dem deutschen Markt ist, konnte ich die Entwicklung von Kindesschuhen an verfolgen. Dies schloss natürlich einige Probleme und Bugs mit ein. Ich weiß nicht wie viele E-Mails ich dem Support schon geschrieben habe, aber es kam immer eine freundliche Antwort mit einer Problemlösung. Da kann ich nur sagen: Top!

Fazit

An das Armband am Handgelenk gewöhnt man sich schnell, auch wenn der ständige Druck auf die Haut anfangs eher unangenehm ist. Zum Erhalt verlässlicher Daten zur Herzfrequenz ist es aber nötig, dass der Tracker eng anliegt. Alle gesammelten Daten scheinen sehr genau zu sein und liefern eine verlässliche Sicht auf Tagesdaten und Fortschritte.

Die App und das Online-Dashboard veranschaulicht alle aufgenommenen Informationen auf schöne und verständliche Weise. Mir gefällt es, dass man die Ansicht anpassen kann und so viele Einstellmöglichkeiten für eigene Ziele hat. Die wichtigste Einstellung ist jedoch die Hand an der das Armband getragen wird: hier sollte immer "Dominant" gewählt werden, da ansonsten mehr Schritte auf das Konto wandern, als es eigentlich waren.

Das einzige was mich mittlerweile wirklich stört ist, dass man Trainingseinheiten nur einmal bearbeiten kann und die Funktion Quick View. Tagsüber ist das schön und gut, da man den Knopf am Armband nicht betätigen muss, wenn man die Uhrzeit wissen möchte. Aber nachts führte das schon zu tiefem Hass, wenn man sich umdreht und auf Grund der Displaybeleuchtung nahezu erblindet. Also habe ich die Funktion nun deaktiviert. Am Besten wäre es hier, wenn die Entwickler dafür sorgen, dass Quick View entweder nach einer bestimmten Uhrzeit oder nach Start des Sleep Log nicht mehr ausgeführt wird.

Kurz und knapp: ich würde den fitbit charge HR wieder kaufen und empfehle ihn auch kräftig weiter! Auch wenn 150€ erstmal eine Investition sind: dieser dauerhafte Begleiter lohnt sich und die Qualität ist einfach super!